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17.03.17 // In the jungle, the mighty jungle…

Nachdem wir am gestrigen Abend bereits um 21 Uhr ins Bett gingen, konnten wir in den Tag mit 8-9 Stunden Schlaf (teilweise) ausgeschlafen um 6 Uhr starten. Nicht jeder hat einen so guten Schlaf wie ich und hat sich stattdessen von heulenden Hunden, plappernden Dorfbewohnern und krähenden Hähnen vom Schlaf abhalten lassen. Eine halbe Stunde später gab es bereits Frühstück: Nudelsuppe aus der Tüte für die Normalos und Glasnudeln für mich.

Es ist wirklich schade, dass es in einem abgelegenen und von der Zivilisation abgeschottetem Dorf Tütensuppen und Plastik Einzug gefunden haben. Wie auch immer: Mit dem Boot fuhren wir ca. eine Stunde zurück nach Nong Khiaw um dort in ein Tuk Tuk zum Ausgangspunkt unserer Trekkingtour durch den laotischen Dschungel zu starten. Zu uns gesellten sich (vorerst) ein älteres, aber auch massiges Pärchen aus Deutschland. Um 09:00
Uhr ging es mit einem neuen einheimischen Führer los. Wir starteten bewapptnet mit unseren ca. 10 kg schweren Backpacks am Fuß des Berges. Quer durch ein Wassermelonenfeld liefen wir die ersten Bäche und stiegen langsam bergauf.

Es wurde zunehemend anstrengender und ich dachte mir nur: „Wenn die beiden Deutschen das schaffen, muss ich die Wanderung auch schaffen!“ Gesagt, fast getan, denn nach ca. 45 min ließen wir die beiden hinter uns und erfuhren von unseren Guides, dass sie aufgegeben haben und zurück nach Nong Khiaw fahren. Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Entscheidung definitiv richtig getroffen wurde, denn es folgten 5 Stunden harte Wanderung. Es ging steil bergauf und genauso steil bergab. Die Wege waren sehr schmal, sie waren staubig, machmal steinig, manchmal voller Blätter, ab und zu lehmig, usw. Relativ am Anfang stolpere ich leider und verletzte mich am Zeh, der dann erstmal getaped werden musste und Thomas rutschte einmal fast ab.

Mitten im Dschungel machten wir Stopp, um unser Mittagessen zu uns zu nehmen und auf einmal wurden wir von fiesen Blutegeln angegriffen. Die kleinen, sehr unscheinbaren Mistviecher stürzten sich sofort auf unsere Füße und bissen sich fest. Ich glaube jeder von uns hat mindestens einen abbekommen. Wir machten uns von diesen Parasiten frei und beschlossen, nachdem wir unsere Füße mit einem Schutz einsprühten, ein paar Meter weiter zu wandern um dort unser Festmahl einzunehmen. Der einheimische Guide sammelte ein paar Bananenblätter, platzierte diese auf einem netten Fleck und begann unser Mittagessen auszubreiten. Es gab Omelette, eine Art Morning Glory (das ist eine Gemüseart!!!), Auberginenpaste, Fisch und natürlich Sticky Rice. Das Essen war nach 2,5 Std. Wandern einfach fantastisch! Danach brachen wir direkt auf, weil die Gefahr bestand, dass es regnen könnte (daher kamen auch die ganzen Blutegel aus ihren Löchern). Mit vollem Bauch ging es direkt bergauf um dann wieder bergab zu gehen. Wir trällerten zwischendurch das Lied „Up and down“ von den Venga Boys, weil es einfach passte.

Die Tour durch den Dschungel war wirklich sehr anstrengend für uns, obwohl wir eigentlich ganz gut trainiert sind, dennoch war es die Mühe wert, denn wir sahen unbekannte Pflanzen, Bambussträucher, Bananen- und Papayabäume, hörten die typischen Urwaldgeräusche, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, und gewannen so unheimlich viele neue Eindrücke. Um 14:55 Uhr kamen wir endlich am Na Luang Village an, das sowohl von den Stämmen der Lao als auch der Mongs bewohnt wird. Unser Guide Sii ist sogar ein Mong. Im Gegensatz zu dem gestrigen Dorf wirkte dieses etwas zivilisierter und die Menschen sind Ausländer gewohnt. Als wir ins Dorf hinein gingen waren links grasende Kühe, rechts im Bach plantschende Enten, ein Stück weiter eine Sau mit ihren Ferkeln, Hunde mit ihren Welpen und natürlich viele Hühner mit Küken. Ich bin immernoch beeindruckt, dass 95 % der Tiere in Laos frei herumlaufen. Die Kinder waren von vorneherein freundlich, aufgeschlossen und hatten keine Scheu. Die Tiere waren auch sehr gechillt (sooo idyllisch!) und die Menschen grüßten uns freundlich. Nachdem uns kurz die Dorfregeln erklärt wurden, wollten wir nur noch eins: DUSCHEN! Wir waren von oben bis unten dreckig. Man darf nicht vergessen, dass wir hier in einem laotschen Dorf sind, d.h. es ist alles sehr einfach. Dusche und Klo sind quasi dasselbe. Man hat also ein Loch, einen Behälter mit Wasser und eine Schöpfkelle.

Egal – wir wollten es ganz nah an den Menschen des Landes and: Here we are! Frisch geduscht gingen Marika, Sandra und ich zum Bach um unsere Deckwäsche zu waschen. Begleitet wurden wir von zwei Mädchen, mit den wir „Engelchen spring“ bzw. „1, 2, 3 Hoppsalala“ spielten. Nachdem die Wäsche aufgehängt wurde, zog sich ein teil von uns auf den View Point des Dorfes zurück. Marika schrieb in ihrem Reisetagebuch und Felix und ich lasen. Zwischendurch genossen wir einfach die Landschaft und die Ruhe. Naja, bis es einen dumpfen Schlag gab und ein Schwein heftig quiekte… Felix entdeckte auf einmal einen Jungen in der Baumkrone eines, wie wir später erfuhren, ziemlich hohen Tamarindenbaumes (siehe Foto) geklettert war. Abendessen sollte es gegen 18:30 Uhr geben, daher beschlossen wir unser ruhiges Plätzchen zu verlassen und gingen zurück zum Dorf. Da es bald dunkel wurde, baten wir Sii uns das Dorf zu zeigen. Er erklärte uns ganz stolz, dass die Mongs, die Lao und Kmuh mittlerweile in einem Dorf leben und auch seit 2000 irgendwas heiraten dürfen. Wir begannen also mit der Mong-Seite des Dorfes. Diese sprechen auch eine andere Sprache, lernen aber laotisch in der Schule. Abgesehen davon unterscheidet sich auch die Bauweise der Häuser von denen der Laoten: Die Mongs bauen ihre Häuser direkt auf dem Boden, haben Küche und Schlafraum unter einem Dach und Abwassergräben. Die Lao hingegen bauen ihre Häuser auf zwei Etagen, unten sind die Tiere, oben die Menschen. Sie haben meistens eine Küche und Bad außerhalb des Hauses. Wir durften bei der Besichtung sogar in ein Mong-Haus, wo die Familie (mit 10 Kindern), gerade am Lagerfeuer saß, speiste und surrealer Weise Fernsehen schaute.

Alles unter einem Dach. Dann gingen wir zurück, da es dunkel wurde, überquerten einen Bach und fanden ganz viele Glühwürmchen, die vor sich her blinkten. Der Anblick war einfach wunderschön. In Laos gibt es das ganze Jahr über Glühwürmchen, die zum Paarungstanze aufrufen. Zurück im Dorf duften wir oben beim Dorfchief dinnieren. Das Essen stand bereits parat und es gab Morning Glory (immer noch Gemüse!), Kohl, Hühnchen und natürlich Sticky Rice. Auch wenn das Essen sich nicht viel von den letzten Mahlzeiten unterschied, war es echt lecker. Dazu tranken wir, wie der Brauch es vorschreibt, Rice Whiskey. Wir lernten jetzt auch das mongsche Wort für „Prost!“, was sich eher nach lallen anhört (au leaudouuuu). ? Nach dem Essen begann der Dorfchief mit einer Zeremonie, die uns ewiges Glück bringen soll. Dafür band er uns jeweils an beide Handgelenke Wollbänder und sprach laotische Worte. Wir hingegen mussten unsere Arme wie Shiva halten (Video anbei). Diese Bänder müssen wir mindestens 5 Tage tragen, damit das Glück eintreffen kann. Hey, ich werde nun dank der Mönchin von Angkor Wat 100 Jahre alt und habe ewiges Glück – hat sich doch gelohnt in den Urlaub zu fahren, oder?!? ? Zum Abschluss halfen wir seiner Frau beim Aufräumen und setzten uns anschließend ans Lagerfeuer. Sandra verabschiedete sich zuerst, aber der Dorfchief setzte sich dazu. Wir erfuhren, dass es in dem Dorf 41 Familien gibt und insgesamt 380 Menschen dort leben.

Die örtliche Schule wird von 21 Kindern des Dorfes und 24 anderen Kindern aus der Umgebung besucht. Die Schule wurde von Tiger Trail und dem Lions Club gebaut. Da es ein sehr anstrengender Tag war, verabschieten wir uns nach und nach ins Bett. Insgesamt war es wirklich ein sehr herausfordernder Tag, der zwar manchmal ziemlich anstrengend war (ich hasse bergauf gehen!), aber die Mühe war es dank der vielen Eindrücke und tollen Erlebnisse absolut wert. Nun liege ich im Bett einer Hütte des Dorfes (zum ersten Mal dieser Reise schlafe ich allein) und freue mich auf den morgigen Tag mit neuen Abendteuern

Lizz

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