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Tasmanien

Puh! Wo fange ich hier an? Wir hatten knapp 5600 km bis Melbourne hinter uns und der Gedanke nochmals irgendwo hinzufliegen und noch mehr Auto zu fahren, war jetzt nicht der attraktivste. Warum also diese Insel ? Nehmt euch Zeit, es folgt eine lange und spannende Geschichte. <3

Der Ausflug nach Tasmanien war, um ganz offen zu sein, für mich erst der ausschlaggebende Grund diese lange Reis anzutreten. Irgendwie kennt jeder irgendwen, der schon einmal in Australien unterwegs war, jedoch nicht jeder, der auf Tasmanien Zeit verbracht hat. Die die jedoch hier waren, erzählten mit Funkeln in den Augen, dass jeder einmal im Leben dorthin müsse. Je mehr ich mich mit dieser Insel auseinandersetzte, desto mehr wollte ich hin. Sandstrand, Urwald, Dschungel, trockene Steppe und alpine Landschaft auf einer Insel? Das ist erstmal schwer zu glauben. Aber fangen wir doch gleich mit dem ersten Tag auf dieser Insel an.

Nachdem wir knapp 1,5 Std. im Flieger unterwegs waren, trafen wir gleich am Flughafen in der Nähe von Hobart das deutsche Pärchen von letzter Woche. Unsere Pläne hatten wohl Eindruck hinterlassen und so warteten wir auf unsere Mietwägen. Da wir die Vans hier deutlich teurer waren als Down Under, entschieden wir uns für einen Geländewagen.

Also tuckerten wir fix zum nächste Supermarkt in dem sehr entspannten Städchen Hobart und deckten uns mit dem nötigsten ein. Luftmatratze inklusive. ;P

Hier schien die Zeit sehr genüsslich vor sich hin zu fließen. Obwohl wir von dem gemäßigterem Wetter hier gehört haben, war es doch wärmer als in Melbourne. Die Pflanzenwelt ähnelte in Hobart der in Melbourne, noch keine wirklich „neue“ Landschaft.

Da es immer später wurde und wir unseren neue Übernachtungsmöglichkeit alsbald aufbauen wollten, fuhren wir zeitnah los. Alissa hatte noch die geniale Idee unsere Luftmatratze an der Tankstelle aufzupumpen und keine 2 Std. später waren wir auch schon am Zielort – an einem der schönsten Orte, die wir bisher besuchen durften.

Hier waren nicht gerade viele Menschen, so konnten Alissa und ich unsere Ruhe genießen. Es war wunderschön. Links oder rechts, ein Strand wie aus dem Bilderbuch. Das Wasser war etwas kalt, jedoch hatte die Kulisse alles wett gemacht. Nebst einwenig planschen hatten wir die wohl bisher geilste Aussicht aus dem Auto heraus, ever!

Umso mehr freute uns der Ausblick beim Aufstehen. Es entspannte uns so sehr, das wir fast den halben Tag blieben bevor wir uns auf den Weg machten. Irgendwann merkten wir eben doch die vielen Kilometer in den Knochen und das wir uns nicht stressen möchten. Einer unser vielen Reiseführer zeigte eine kleine Insel nördlich von uns, Pinguin Island. Da gerade Ebbe herrschte, konnten wir noch fix zu Fuß zur Insel bevor der weg durch die Wassermassen verschwand.

Leider sahen wir auf der versprochenen Insel keine der Zwergenpinguine, jedoch machten wir Bekanntschaft mit den portugiesischen Galeeren. Ziemlich eklige Viecher um ehrlich zu sein. An der Ostküste Australiens hatten sie für bereits 10.000 verletzte Bademenschen gesorgt und wir waren froh, dass wir sie am Ufer und nicht erst am eigenen Körper im Wasser fanden. Sie verursachen Verbrennungen und starke Schmerzen. Ihr Populationswachstum wird durch das wärmer werdende Wasser (Hallo Klimawandel) verstärkt. Dadurch herrscht mittlerweile an manchen Stränden sogar Badeverbot. Australien spürt noch an manch anderen Ecken die Auswirkungen des Klimawandels und doch basiert die Hauptquelle des australischen Stroms auf Kohle. Nur so am Rande, aber zurück zum Thema.

Da es immer dunkler wurde und wir Gott sei dank mal wieder eine Dusche an Wegesrand fanden, machten wir uns anschließen vom stinkendem Mief befreit auf dem weg zum nächsten Schlafplatz. Der war zwar nicht ganz so bildgewaltig wie der letzte, jedoch hatte der Strand am nächsten Tag es echt in sich.

Das Wetter blieb auch am Tag darauf weiterhin grandios und entgegen unserer Erwartungen kamen noch mehr und vor allem noch schönere Strände. Wie die Bay of Fires. Leute, das war einmalig. Kalk farbender Sand, türkisblaues Wasser und wieder, wenige Menschen. Das sind die Momente in denen wir unsere Seele baumeln ließen, Momente in denen wir Kraft für das neue Jahr sammeln konnten. Momente, in denen wir endlich unseren viel zu bleichen Popos braun werden lassen können. Zu Beginn der Reise fühlten wir uns stellenweise schon wie Geister, im Vergleich zu den Australiern. 😛

Unser nächster stop war eine ziemlich coole Kombination aus kostenfreier Raststätte und Naturpark. Denn bei unserer nächsten Übernachtungsmöglichkeit könnten wir gleich am Morgen den Wasserfall ums Eck bewundern. Jep, ein Wasserfall direkt an der Raststätte, sowas könnten wir doch entlang der A10 gebrauchen. ;D

Das coole war, das wir innerhalb einer Stunde von Strandbepflanzung zu waldigen Gebiet wechselten. Es hat uns immer wieder beeindruckt, wie divers die Flora und Fauna auf dieser Insel ist. Am nächsten Tag fuhren wir zur drittgrößten Lavendelfarm der Welt. Irgendwie überlastete der bereits sehr intensive Lavendelgeruch unsere Nasen, sodass wir alsbald aufbrachen.

Und jetzt? Jetzt wurde es spannend, denn mein absolutes Highlight, der Cradle Mountain National Park, stand endlich vor der Tür.

So fuhren wir eben mal durch ein Gebiet mit Regenwäldern um den majestätisch wirkenden Bergen mit ihrer alpinen Landschaft immer näher zu kommen. Leute, diese Insel hat so viele verschiedene Vegetationszonen, das ist wunderschön und beeindruckend.

Wir kamen relativ spät am Park an, weswegen wir uns einen Aufenthalt in einem der recht teuren Campingplätze gönnten. Und gerade als man es nicht erwartet hatte, waren wir von Tieren umgeben. Nachdem wir unser Sportprogramm absolviert hatten, stand alles, was wir bisher verpasst hatten, auf einmal wortwörtlich direkt vor unserer (Auto)Tür. Neben dem stacheligen Igel (Schnabeligel), den Alissa endlich sehen wollte, kraxelte einfach ein Wombat an unserem Auto vorbei. Hier und da zupfte er sich etwas vom dem trockenem Gras ab und interessierte sich null für uns. Gerade als wir begannen entzückt zu sein, watschelte das wohl niedlichste Oppossum auf uns zu. Es hatte null Angst vor uns, fasste sogar Alissas Hose an undbettelte um ein Stück Apfel, das es dann mampfend neben uns genoss. Eines seiner Artgenossen ließ nicht lange auf sich warten und genoss unser weg gekipptes Bohnenwasser. ;P Selbst die schlauen Raben erkannten ihre Chance und holten sich, was Wombat, Opossum und Co. links liegen ließen.

Am nächsten Morgen machten wir uns relativ früh auf zum Informationscenter des Parks um unsere Tickets zu holen. Da es Alissa dieses Mal ein wenig gesundheitlich aus den Latschen kippte, zog ich leider alleine in Richtung Shuttle.

Ich wollte eigentlich den berühmten Overland Track ablaufen. Dieser erfordert jedoch einen komplette Ausrüstung und 6 Tage Zeit. Da es in der Zeit sogar auf dem Berg schneien kann, sollte man also gut ausgerüstet sein, denn die Route führt einen durch 4 verschiedene Vegetationszonen.

Da ich die Zeit nicht hatte, gab es für mich also ein Overland Track LIGHT. Eine der Ranger zeigte mir eine in 5 Std. machbare Route, die ich gespannt wie Bolle auf mich nahm. Der Bus fuhr los und vor mir zeigten sich Landschaften, die ich vorher noch nie erblickt habe. Das ganze Gebiet gehört zum UNO Weltkulturerbe und war schlicht atemberaubend.

Am ersten Checkpoint angekommen, erwartete mich der erste WOW!-Moment. Vor mir erstreckte sich eine grüne Decke an relativ kurzen Gestrüpp, dass sich klar von der Waldgrenze abhob. Auf den ersten Blick schien sich diese Vegetation bis zum Gipfel zu ziehen. Cool gemacht sind die Wege im Park, zu Beginn hat man Holzpfade zur Verfügung, sodass die Natur nicht links und rechts zertrampelt wird. Mir begegneten neben Wombats auch andere Wanderer. Es roch nach feuchtem Holz und einer Menge Moos.

Je weiter ich den Pfad folgte und alsbald meine Abzweigung nahm, war ich für gute 2,5 Std. alleine unterwegs. Es ging relativ steil den Berg hinauf und auch die Pflanzenwelt wurde zunächst dichter. An manchen Stellen kam der nackte Fels hervor und zeigte, wo sich die Pflanzen ihren Teil zurückholten, um eine grüne Decke aus Gras und Bergblumen über ihn zu legen. Es wurde spürbar kälter und ich zog ein paar Klamotten über.

Nach knapp 2 Std. erreichte ich den ersten großen Stopp, einen kleine Erhöhung mit einem phänomenalen Blick auf die Landschaft. Es wurde Zeit für einen kleinen Snack. Spätestens hier fragte ich mich, ob ich sicher auf Tasmanien war oder doch in den Alpen.

360° Weitblick. Unter meinen Füßen lag der erste See. An den Ufern könnte man relativ klar Bäume erkennen und ich stellte mir vor, wie es wäre ein Kanu am Ufer zu finden um ein paar Runden zu drehen. Da oben habe ich mich sehr klein gefühlt. Während die Wolken an mir vorbeizogen und sich so langsam mehr Sonne zeigte, gesellte sich ein Rabe zu mir, dem meinen Datteln wohl sehr gefielen. Das bloße Auge konnte hier erst so richtig erkennen, wie divers die Natur und Vegetation in diesem Park ist und das auf so einem engen Gebiet.

Ein paar Gehminuten später sah ich dann den namensgebenden Mt. Cradle mit seinen über 1500m. direkt vor mir. Puh, war das Ding steil. Es führte ein ziemlich steiler Pfad direkt zum Gipfel. Vor dem Aufstieg fand sich eine kleine Not-Übernachtungsstation von der aus sich die Wanderer auf den Weg machten.

Da mir leider die Zeit fehlte, nahm ich eine kleine Abzweigung um zum zweithöchsten Punkt im Park zu laufen. Auf dem Weg wurde es stets voller, ich merkte, dass es auf der anderen Seite einen kürzeren Track zu dieser Anhöhe gab. Auch hier, fantastischer Blick auf die Seen und Berge des Nationalparks. Mit einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass ich mittlerweile gut 3 Stunden unterwegs war: Zeit Alissa einen Besuch abzustatten.

Der Weg zurück ging ziemlich steil bergab und würde zusätzlich mit Eisenketten abgesichert. Je weiter ich Abstieg, desto wärmer wurde es. Auch die Vegetation wurde wieder deutlich mediterraner und der Pullover brachte mich ziemlich ins Schwitzen. Meine Fre*** waren da viele Fliegen. Irgendwann joggte ich quasi den Weg herunter um Ruhe von den Viechern zu haben.

Nach einem kleinen Hindernisslauf (das war lustig) kam ich endlich an einem kleinem Anlegesteg an, der zum Bus zurück führte. Ich war fast 4 Stunden unterwegs! Es fühlte sich nach so viel mehr an und die Gedanken waren frei.

Zurück bei Alissa berichtete ich begeistert und wir führen alsbald Richtung Hobart los. Wir hatten noch ein gutes Stück Strecke vor uns. Auf dem Weg zurück ging uns fast der Sprit aus, da die Tankstellen hier stellenweise nur bis 16 Uhr geöffnet haben. Achja und an einem Buschbrand/Waldbrand sind wir auch vorbeigefahren.

Puh, Rauch überall. Generell war die Landschaft wieder ziemlich waldig und die verschiedenen Stationen, wie ein Wasserkraftwerk versüßten uns die Fahrt. Ziemlich spät erreichten wir unser Ziel und übernachteten auf einem Campingplatz. Unsere Unterkunft bei Alex in Hobart wartete am nächsten Tag auf uns.

Am nächsten Morgen wartete Alissa mit unseren ganzen Sachen in einem Cafe ums Eck auf den Check in der neuen Unterkunft währenddessen ich unser treues Gefährt zum Flughafen zurückfuhr.

Ein paar Stunden später erreichten wir endlich den bisher coolsten Gastgeber unserer Reise, Alex. Er war ein ziemlich hilfsbereiter Zeitgenosse und hatte einen zuckersüßen Hund namens Amber. Er fuhr mit uns zum waschen in den Waschsalon und nachdem wir unseren Wein mit ihm teilten, gesellte sich Abends auch noch ein russischer Gast zu uns und wir tranken zu viel Wein. Es war ein toller Abend voller Gespräche in denen Alex auch seine Erfahrungen seines letzten Europatrips mit uns teilte.

Es brach der letzte Tag an. Zeit um uns Hobart genauer anzuschauen. Hier war es generell echt entspannt. Alissa hatte etwas von einem tollen Markt gelesen und um offen zu sein, war der auch ziemlich cool. Wir verputzten lokale Spezialitäten, schlenderten von Stand zu Stand und kauften hier und da noch etwas für zuhause ein.

Der Markt wurde bald leerer und die Stände mit ihren Besitzern zogen langsam Richtung zuhause. Also setzten wir uns in einen Park und spielten eine Runde Phase 10, ließen einfach die Seele baumeln.

Am Abend ging es dann Richtung Flughafen, um 22 Uhr erwartete uns der Flug nach Melbourne. Auf den Tacho könnten wir übrigens weitere 1100 km packen, Mensch mittlerweile haben wir über 6700 km.

Meine Lieben, Tasmanien war eine Wucht die uns regelrecht umgehauen hat. Die Natur hier ist einzigartig und die dadurch entstehende Atmoshpäre ist zum schneiden dick. Es ist eine breite Platte an Natur und das gerade innerhalb von 2-3 Std. zu erreichen. Wir hatten mit dieser unvergesslichen Erfahrung nicht gerechnet und sind sehr dankbar sie gemacht haben. Falls ihr irgendwann in Australien unterwegs seid, kommt hierher. Wir haben jetzt auch dieses funkeln in den Augen wenn wir davon erzählen. 😉

Viel Liebe vom anderem Ende der Welt,

Thomas

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